REISEfieber Herbst I Winter 2424
- 36 - REISEfieber mit vielen interessanten Schautafeln über die örtliche Natur- und Kulturgeschichte. Ein paar Schritte weiter offenbart das bereits im Jahr 777 von Bayernherzog Tassilo III. errichtete Stift – immer- hin das drittälteste Kloster Österreichs – wertvolle Buchbestände und liturgische Silber- undGoldschätze aus dem18. Jahrhundert. Die historischen Räume der Propstei wurden 1977 zum Stifts- museum umfunktioniert. DasMuseumarbeitet in zwölf für die Be- sucher ausgestatteten Räumen wichtige religiöse und historische Ereignisse auf. So enthält die Schatzkammer eine Kopie des Tas- silokelchs auf einem gedeckten Tisch für die zwölf Kanoniker mit wertvollem Tafelsilber und Zinngeschirr und in der Gemälde- galerie hängen Werke von J. M. Rottmayr. Die Stiftsbibliothek beherbergt über 3000 kulturhistorisch interessante Exponate, darunter viele Handschriften und Frühdrucke sowie eine Schau diverser Urkunden. Die Älteste darunter stammt immerhin aus dem Jahr 860, die Ludwig der Deutsche, der Enkel Kaiser Karls desGroßen, demKlosterMattsee für eine Schenkung an dieMatt- seer Missionare imOsten ausgestellt hat. Direkt amUfer befindet sich auch das Bajuwarengehöft. Anlässlich der Landesausstel- lung 1988 wurden die Hütten aus Lehm, Holz und Schilfdach mit viel keltischer Symbolik nachgebaut. Heute dient das unwei- gerlich an „Wickie und die starken Männer“ erinnernde Areal als Natur- und Kulturwerkstatt. Von der extrem bequemen Wiegeliege direkt unter der Linde am Thurn aus reicht der Blick bis zur Seenplatte hinab. Ein Besuch der Linde am Thurn Am nächsten Tag starten wir gleich ums Eck von der Stiftskirche mit dem Elektroschiff „Seenland“. Die flache Flunder ist das einzige Rundfahrtschiff Österreichs, das auf einer Tour zwei Seen befährt. Möglich gemacht wird das durch das Erlebnis der Jo- hannisbrücke. Bei der Durchfahrt unter der Landesstraße wird zusätzlich noch das Dach des Schiffs hydraulisch abgesenkt. Das grüne Holzboot bietet sogar standesamtliche Trauungen an Bord an. Danach haben wir die Qual der Wahl: den Richt- stättenweg von Lochen zur Köpfstätte bei Astätt – landschaftlich reizvoll, aber thematisch finsterstes Mittelalter; geschichtlich gut aufbereitet, aber uns fröstelt bei der Vorstellung, dass das grau- sige Treiben der Enthauptung noch bis ins Jahr 1762 praktiziert wurde. Nein, uns zieht es wieder hinauf. Über Berndorf marschie- ren wir auf den Höhenweg mit stetem Blick in die Berge. Wir erreichen über den Maierhof die Linde am Thurn. Ein Bilder- buchbaum mit herrlichem Blick in das raschelnde Blätterdach und das bedrohliche Spiel der Zirruswolken am Himmel prägt die Berg- und Seenwelt. Direkt darunter – im kühlen Schatten der weit ausladenden Linde – pausiert es sich genial in einer verstellbaren, anatomisch perfekt an den Körper angepassten Wiegeliege. Tipp: Wecker stellen! Hier überrascht einen der Schlendrian im Nu und das Nickerchen dauert länger als ge-
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy OTA2MzQ=